Transferpreis 2008
Transferpreis WissensWerte 2008:
Eine Verpflichtung für die Zukunft
Der frühere Transferpreisträger Prof Dr. Raúl Rojas entwickelt mit seinen Teams eine Vielzahl intelligenter Systeme bis hin zu autonomen Fahrzeugen.
Wer Prof. Dr. Raúl Rojas an der Freien Universität Berlin besucht, dem fallen als erstes die Fahrbahnmarkierungen auf dem Flur auf. Wer einen Blick in ein Labor riskiert, sieht ein kleines Fußballfeld mit einem aufrecht stehenden Roboter darauf und an der Wand Regale mit zahlreichen Pokalen und anderen Trophäen. Bittet Prof. Rojas dann zum Gespräch an einen Tisch, entpuppt sich die „Glasplatte“ in der Mitte des Holztisches als Touchscreen, mit dem man zum Beispiel in einer virtuellen Zeitung blättern kann.
Wenn sich Otto Normalverbraucher die technische Zukunft vorstellt, dann sieht sie vermutlich ähnlich aus wie der Forschungskosmos von Prof. Rojas: Fahrerlose Autos, fußballspielende Roboter und intelligente Möbel gehören zu den zahlreichen Projekten, denen sich der Professor für künstliche Intelligenz widmet. Selbst ein autonomes Fahrrad (ohne Stützräder!) steht im Aufenthaltsraum. Weitere Projekte sind u. a. ein autonomer Rollstuhl, interaktive virtuelle Bücher, Entwicklungen für den Klassenraum der Zukunft sowie künstliche Bienen und Fische, die ihre lebendigen Artgenossen zu bestimmtem Verhalten animieren können. Und ein Auto fahrender Roboter, denn wer weiß schon, welche Technologie sich einmal durchsetzen wird, das fahrerlose Auto oder der künstliche Fahrer.
1955 in Mexiko City geboren, kam Raúl Rojas in den 1980er-Jahren nach Deutschland, wo er zunächst für ein wirtschaftswissenschaftliches Thema promoviert wurde, bevor erst sich 1994 mit einer Arbeit über die Theorie der neuronalen Netze in der Informatik habilitierte. Seit 1999 konnte er mit seinem Team „FU-Fighters“ bei Roboterfußball-Meisterschaften zahlreiche Preise erringen, 2004 und 2005 wurden sie Weltmeister. Für die Rekonstruktion des Zuse Z3, des ersten programmierbaren Computers der Welt, erhielt er mit seinem Team 2005 den erstmals verliehenen Wolfgang-von-Kempelen-Preis für Informatikgeschichte. Großes Interesse bei den Medien erregte Prof. Rojas im vergangenen Jahr zunächst mit der Meldung, ein Auto mit Gedanken (durch Messung von Hirnströmen) steuern zu können, dann im Herbst mit einer autonomen, computergesteuerten Autofahrt quer durch Berlin, vom Internationalen Congress Centrum bis zum Brandenburger Tor und zurück.
Nach dem Geheimnis seiner Kreativität gefragt, verweist Prof. Rojas auf die Zusammenarbeit mit seinem Team. „Oft kommen mir im Flugzeug Ideen, weil man dort wenig tun kann. Aber erst bei einem Brain Storming mit meinen Mitarbeitern und Studenten wird die Idee lebendig, wenn wir sie von allen Seiten beleuchten, wenn wir fragen, ob sie realisierbar ist, welchen Aufwand das bedeutet und wie die weitere Entwicklung aussehen könnte.“ Auf diese Weise entstand etwa die Idee, einem Läufer beim Berlin-Marathon virtuell zu folgen. Das mitgeführte Smartphone liefert die Daten, so dass Freunde und Verwandte jederzeit auf einem Bildschirm verfolgen können, wo der Läufer sich aktuell befindet.
Prof. Rojas forscht für die Anwendung, seine Entwicklungen sollen nicht in der Schublade bleiben. Bei Patentanmeldungen gehöre Deutschland noch immer zur internationalen Spitze, allerdings vermisst er bei seinen Studenten und in Deutschland allgemein den Unternehmergeist, um innovative Ideen auch zu einem Produkt zu entwickeln. „Beim Technologietransfer hat Deutschland ein großes Potenzial, aber noch immer Nachholbedarf.“ Den Transferpreis WissensWerte, den er und sein Team 2008 erhielten, empfand er deshalb weniger als Auszeichnung für etwas Geschaffenes, sondern vielmehr als Verpflichtung für die Zukunft. Die Vorlesebrille für Blinde, für die sie den Preis bekamen, ist zwar inzwischen marktreif, aber so teuer, dass sie sich kaum ein Blinder oder Sehbehinderter leisten kann. Deshalb forscht und entwickelt er an kostengünstigeren Alternativen wie einem Tischgerät, das vorlesen kann und auch die Nutzung des Internets ermöglicht. Weitere Projekte beziehen sich auf die Objekterkennung, so dass das System einem Blinden helfen kann, z. B. seinen Schlüsselbund zu finden.
Im Hinblick auf das autonome Fahren hat Prof. Rojas die Vision, dass die Veränderung des Stadtbildes ähnlich gravierend sein wird wie der Übergang von der Kutsche zum Auto. Wenn sich die Mehrheit der Stadtbevölkerung des Car Sharings mit autonomen Fahrzeugen bediene, dann werde es erheblich weniger parkende Autos geben, weil die autonomen Wagen fast ständig im Einsatz seien. Auch wenn es noch einige Jahrzehnte bis zur Verwirklichung dauern wird – Prof. Rojas ist überzeugt, dass das die Zukunft sein wird.
Weitere Informationen: http://page.mi.fu-berlin.de/~rojas/
Wer Prof. Dr. Raúl Rojas an der Freien Universität Berlin besucht, dem fallen als erstes die Fahrbahnmarkierungen auf dem Flur auf. Wer einen Blick in ein Labor riskiert, sieht ein kleines Fußballfeld mit einem aufrecht stehenden Roboter darauf und an der Wand Regale mit zahlreichen Pokalen und anderen Trophäen. Bittet Prof. Rojas dann zum Gespräch an einen Tisch, entpuppt sich die „Glasplatte“ in der Mitte des Holztisches als Touchscreen, mit dem man zum Beispiel in einer virtuellen Zeitung blättern kann.
Wenn sich Otto Normalverbraucher die technische Zukunft vorstellt, dann sieht sie vermutlich ähnlich aus wie der Forschungskosmos von Prof. Rojas: Fahrerlose Autos, fußballspielende Roboter und intelligente Möbel gehören zu den zahlreichen Projekten, denen sich der Professor für künstliche Intelligenz widmet. Selbst ein autonomes Fahrrad (ohne Stützräder!) steht im Aufenthaltsraum. Weitere Projekte sind u. a. ein autonomer Rollstuhl, interaktive virtuelle Bücher, Entwicklungen für den Klassenraum der Zukunft sowie künstliche Bienen und Fische, die ihre lebendigen Artgenossen zu bestimmtem Verhalten animieren können. Und ein Auto fahrender Roboter, denn wer weiß schon, welche Technologie sich einmal durchsetzen wird, das fahrerlose Auto oder der künstliche Fahrer.
1955 in Mexiko City geboren, kam Raúl Rojas in den 1980er-Jahren nach Deutschland, wo er zunächst für ein wirtschaftswissenschaftliches Thema promoviert wurde, bevor erst sich 1994 mit einer Arbeit über die Theorie der neuronalen Netze in der Informatik habilitierte. Seit 1999 konnte er mit seinem Team „FU-Fighters“ bei Roboterfußball-Meisterschaften zahlreiche Preise erringen, 2004 und 2005 wurden sie Weltmeister. Für die Rekonstruktion des Zuse Z3, des ersten programmierbaren Computers der Welt, erhielt er mit seinem Team 2005 den erstmals verliehenen Wolfgang-von-Kempelen-Preis für Informatikgeschichte. Großes Interesse bei den Medien erregte Prof. Rojas im vergangenen Jahr zunächst mit der Meldung, ein Auto mit Gedanken (durch Messung von Hirnströmen) steuern zu können, dann im Herbst mit einer autonomen, computergesteuerten Autofahrt quer durch Berlin, vom Internationalen Congress Centrum bis zum Brandenburger Tor und zurück.
Nach dem Geheimnis seiner Kreativität gefragt, verweist Prof. Rojas auf die Zusammenarbeit mit seinem Team. „Oft kommen mir im Flugzeug Ideen, weil man dort wenig tun kann. Aber erst bei einem Brain Storming mit meinen Mitarbeitern und Studenten wird die Idee lebendig, wenn wir sie von allen Seiten beleuchten, wenn wir fragen, ob sie realisierbar ist, welchen Aufwand das bedeutet und wie die weitere Entwicklung aussehen könnte.“ Auf diese Weise entstand etwa die Idee, einem Läufer beim Berlin-Marathon virtuell zu folgen. Das mitgeführte Smartphone liefert die Daten, so dass Freunde und Verwandte jederzeit auf einem Bildschirm verfolgen können, wo der Läufer sich aktuell befindet.
Prof. Rojas forscht für die Anwendung, seine Entwicklungen sollen nicht in der Schublade bleiben. Bei Patentanmeldungen gehöre Deutschland noch immer zur internationalen Spitze, allerdings vermisst er bei seinen Studenten und in Deutschland allgemein den Unternehmergeist, um innovative Ideen auch zu einem Produkt zu entwickeln. „Beim Technologietransfer hat Deutschland ein großes Potenzial, aber noch immer Nachholbedarf.“ Den Transferpreis WissensWerte, den er und sein Team 2008 erhielten, empfand er deshalb weniger als Auszeichnung für etwas Geschaffenes, sondern vielmehr als Verpflichtung für die Zukunft. Die Vorlesebrille für Blinde, für die sie den Preis bekamen, ist zwar inzwischen marktreif, aber so teuer, dass sie sich kaum ein Blinder oder Sehbehinderter leisten kann. Deshalb forscht und entwickelt er an kostengünstigeren Alternativen wie einem Tischgerät, das vorlesen kann und auch die Nutzung des Internets ermöglicht. Weitere Projekte beziehen sich auf die Objekterkennung, so dass das System einem Blinden helfen kann, z. B. seinen Schlüsselbund zu finden.
Im Hinblick auf das autonome Fahren hat Prof. Rojas die Vision, dass die Veränderung des Stadtbildes ähnlich gravierend sein wird wie der Übergang von der Kutsche zum Auto. Wenn sich die Mehrheit der Stadtbevölkerung des Car Sharings mit autonomen Fahrzeugen bediene, dann werde es erheblich weniger parkende Autos geben, weil die autonomen Wagen fast ständig im Einsatz seien. Auch wenn es noch einige Jahrzehnte bis zur Verwirklichung dauern wird – Prof. Rojas ist überzeugt, dass das die Zukunft sein wird.
Weitere Informationen: http://page.mi.fu-berlin.de/~rojas/
Kontakt:
TSB Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin
Frauke Nippel
Fasanenstraße 85
10623 Berlin
Telefon: 030/ 46 302 -504, Fax: -444
eMail: nippel@technologiestiftung-berlin.de
TSB Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin
Frauke Nippel
Fasanenstraße 85
10623 Berlin
Telefon: 030/ 46 302 -504, Fax: -444
eMail: nippel@technologiestiftung-berlin.de
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